Requiem für Pescho

Espérance-François Ngayibata Bulayumi

Requiem für Pescho

Eine Trauerarbeit der anderen Art

ISBN 978-3-200-01262-2,

aa-infohaus, Wien 2008

Preis: € 11,80

 

Auf die Problematik afrikanischer Migranten an den Toren Europas weist das Buch Requiem für Pescho hin. Der aus Kongo-Kinshasa stammende Autor Esperance-Francois Bulayumi, der sich selbst als Afro-Wiener bezeichnet, beleuchtet darin die Situation der Boat-People aus mehreren, auch ungewohnten Perspektiven. Bulayumi analysiert die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen und umschreibt als Zukunftsvision eine gerechtere Weltordnung, die die Sehnsucht von Millionen entrechteter afrikanischer Migranten sei. Bulayumi erzählt in seinem Buch die wahre Lebensgeschichte von Pescho, einem dem Autor persönlich bekannten Vertreter von Tausenden afrikanischen Flüchtlingen. Wie viele starb er beim riskanten Versuch, das Mittelmeer in einem Fischerboot zu überqueren, um so nach Europa zu gelangen - ins gelobte Land, in dem Milch und Honig fließen. Bulayumi schreibt über den ehemaligen Kindersoldaten im Kongo, der als Schweinezüchter sein Glück versuchte. Aufgrund der billigen Fleischimporte aus Argentinien und der EU musste er jedoch Konkurs anmelden. Bulayumi: Die subventionierten Importe vernichten die Landwirtschaft und Fischerei, Afrika kann nicht um denselben billigen Preis produzieren. In seiner Verzweiflung erscheint Pescho die Flucht nach Europa als letzte Hoffnung. Wer als Kind bereits Soldat war, hat keine Angst, das Meer zu überqueren! Für den ist kein Meer zu tief und keine Mauer zu hoch, beschreibt Bulayumi das Motiv seiner Hauptfigur. Kritisch hinterfragt Bulayumi auch den europäischen Tourismus in Afrika sowie die klischeehaften europäisch-amerikanischen Fernsehserien, die Afrikaner wesentlich beeinflussten. Der Autor übt aber auch Selbstkritik, indem er die Auswirkungen der Geldsendungen der in Europa lebenden Afrikanern an ihre Heimat aufzeigt: Wenn ich Geld an meinen Bruder sende, denken zumindest seine Nachbarn irgendwann: Da gehe ich hin! Wie das Leben in Europa für Afrikaner tatsächlich ablaufe, könnten sich Afrikaner nicht vorstellen. Bulayumis Lösungsvorschlag für die sozioökonomische Krise Afrikas ist unkonventionell: Er fordert in seinem Buch eine neue Weltordnung im jesuanischen Sinn, die in der Speisung der Fünftausend deutlich werde: Ich kann teilen, und es wird mehr dabei. Zudem sei die Erfahrung grundlegend, dass es für alle genug zu essen gibt. Als Grundvoraussetzung für eine solche Entwicklung formulierte Bulayami: Afrikaner müssen sich lieben. Die divide et impera-Politik der früheren Kolonialmächte habe das gegenseitige Vertrauen zunichte gemacht. Weiters brauche es eine spezifisch afrikanische Ausformung der Demokratie, da europäische Modelle mit der Realität Afrikas nicht kompatibel seien. (Kathpress)